Form macht Sinn | EDITORIAL

     Zum The­ma Gestal­tung gibt es den viel zitier­ten Ansatz „form fol­lows func­tion“, doch beim zwei­ten Blick macht eine Umkeh­rung des Bau­haus Leit­ge­dan­ken den glei­chen Sinn und das ist ein Hin­weis dar­auf, das Sinn und Form zwei Aspek­te einer Sache sind. Gestal­ten heißt also, es So oder So, oder auch ganz Anders machen zu kön­nen. Doch erst mit den Bewußt­sein, das sich mit der for­ma­len Ver­än­der­bar­keit auch neue begriff­li­che Posi­tio­nen erge­ben, macht Gestal­tung Sinn.

     Der Blick auf das Wesen­haf­te, das Eigent­li­che bleibt ver­bor­gen. Was wir tun kön­nen, ist die äuße­re Form zu betrach­ten, mit Ana­ly­se und Intui­ti­on, in Spiel und Expe­ri­ment die Para­me­ter von Gestal­tung zu erpro­ben um Seh­ge­wohn­hei­ten und kul­tu­rel­le Hin­ter­grün­de für Wahr­neh­mung zu ver­ste­hen. Wer den Betrach­ter da abho­len kann wo er ist, der wird ver­stan­den.

     Für Alle die ihre Kunst anwen­den, gilt dies als Grund­la­ge des gestal­te­ri­schen Tuns. Neben den hand­werk­li­chen und fach­li­chen Anfor­de­run­gen zeich­net sich bes­tes Gra­fik­de­sign durch kla­re und rich­tig struk­tu­rier­te (Micro)Typographie, aus­ge­wo­ge­ne Bild/Text Pro­por­ti­on und eine span­nungs­rei­che Weiß­raum­ver­tei­lung. Letzt­end­lich soll jede Gestal­tung ein Mit­tel sein, die Inten­ti­on glaub­haft und kom­for­ta­bel zur Ziel­grup­pe zu beför­dern. Dar­über hin­aus gilt es beson­ders für werb­li­che Zwe­cke Seh­ge­wohn­hei­ten immer wie­der zu durch­bre­chen, den nur das Neue bekommt die Auf­merk­sam­keit die wir erwar­ten. „Wir sehen nur was wir ken­nen, doch bewegt wer­den wir durch das Unbe­kann­te.“

     BAMBERG, Juni 2017