Die Kunstmaschine

     Heu­te konn­te ich nicht raus. Mal um mei­nen Land­sitz schlen­dern, mein Hut mit der Feder blieb unauf­find­bar. Also hat­te ich viel Zeit für Wort­klau­be­rei­en: Als aka­de­mi­scher Künst­ler bin ich natür­lich bren­nend inter­es­siert, in was sich die Pro­fes­si­on des bil­den­den Künst­lers gewan­delt hat. Sie muss sich gewan­delt haben, denn es gibt Sie nicht mehr, zumin­dest nicht so, wie ich sie kann­te. Irgend­wo vor Gond­wa­na, im Kam­bri­um: »Als wir das Was­ser ver­lies­sen, waren wir Alle noch super opti­mis­tisch. Erwar­tungs­ge­maess ver­sprach man uns,—sollten wir unser Leben der Kunst wid­men, 11000 Freu­den.« Den gros­sen Bogen span­nen ist nicht mein Ding, aber hier ist der Bezug gera­de­zu auf­dring­lich. Ja, sowas muss hei­lig sein, sonst macht Kei­ner mit. Argu­men­ta­tiv schon klar,—wer im Dies­seits die A‑Karte zie­hen soll, kann nur noch auf der ande­ren Sei­te des maech­ti­gen Stroms groß raus kom­men. Aber, wer glaubt den sowas? Nur der, der ein gefes­tig­tes Bild sei­ner Pro­fes­si­on hat und meint das sie Ihn nährt!

     Damals wie heu­te ein Mys­te­ri­um, selbst ein Pan­tof­fel­tier­chen kann zwi­schen Nichts und Etwas unter­schei­den, doch immer wie­der absol­vie­ren Hun­der­te Ihre Zeit an den Aka­de­mien des Lan­des. An man­chen Tagen aller­dings, bin ich auch gewillt zu glau­ben. Das gebe ich zu, ger­ne auch an die gros­se freie Kunst, denn wer sich mit der Erfin­dung von schoe­nen Din­gen beschäf­tigt, dem fällt es bekannt­lich leich­ter der schnoe­den Welt etwas ent­ge­gen zu set­zen. Des­halb ist es auch immer von Vor­teil nicht nur reich an Ideen zu sein, son­dern auch mit dem Bewusst­sein geseg­net zu sein zu den Günst­lin­gen zu zaeh­len. »Wah­rer Erfolg« , meint Bob Dyl­an, »sei es von frueh bis spa­et das tun zu kön­nen, was man will«. Frei­lich trifft das in die­ser Ein­fach­heit nicht fuer Jeden zu, eher nur für die, die Frei­räu­me und Selbst­be­stim­mung als Chan­ce auf eine Rei­se zu den inne­ren Musen­tem­peln ver­ste­hen. Wer nach Ruhm und Aner­ken­nung buhlt, wird hef­tig ent­täuscht, er darf sich gleich den Ande­ren, mit dem ein­fa­chen Besitz von schö­nen und teu­ren Din­gen trös­ten. Auch so lässt sich ganz pas­sa­bel eine gesell­schaft­li­che Posi­tio­nie­rung in den gewünsch­ten Rie­gen vornehmen.

     Weil auch mich die täg­li­chen News erschla­gen und mein Gefühl für das Schö­ne und Gute im Leben zu erschlaf­fen droht, hege ich seit eini­ger Zeit den Gedan­ken eine  Kunst-mach-maschi­ne zu erfin­den. So etwas wie ein selbst­fah­ren­des Auto. Ich setz´ mich dann nur noch rein, heißt, plat­zie­re mei­nen Ser­vus dar­un­ter und fer­tig. Kon­kre­ti­sie­run­gen feh­len mir noch, aber eini­ges Grund­le­gen­des hat­te ich mir schon notiert:

     Soll immer anders und neu sein und Iden­ti­tät stif­ten, soll den guten Men­schen manch­mal in Mit­te stel­len, soll phi­lo­so­phisch, wahr und schön sein, soll frei sein, soll fröh­lich und inspi­rie­rend sein, soll kein Hand­werk und kein Kunst­stück sein und gut riechen.

Wien in Mai 2017

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Ja, sowas muss hei­lig sein, sonst macht Kei­ner mit. Argu­men­ta­tiv schon klar,—wer im Dies­seits die A‑Karte zie­hen soll, kann nur noch auf der ande­ren Sei­te des maech­ti­gen Stroms groß raus kom­men. Aber, wer glaubt den sowas? Nur der, der ein gefes­tig­tes Bild sei­ner Pro­fes­si­on hat und meint das sie Ihn nährt!