Akteur ohne brauchbares Skript

Alles klingt und schwingt, hör­bar und mess­bar, – manch­mal spü­ren wir es und dann ist es schön getra­gen zu wer­den; Eins zu sein mit dem Klang der Zeit. 

Ganz anders ist es ein Bild, eine Zeich­nung oder eine Skulp­tur zu machen, auch eine Melo­die zu kom­po­nie­ren. Das gan­ze Tun zielt dar­auf hin, aus dem Fluß der Zeit etwas her­aus zuzie­hen, – gleich einem Fisch aus dem Was­ser. Die Umset­zung ins Zeit­lo­se ist dabei alles ande­re als per­fekt. Bei genau­er Betrach­tung unmög­lich und führt zu dem Gedan­ken, das ein Bild nicht aus dem Fluß der Zeit kommt,- bes­ten­falls das Medi­um, son­dern aus einem immer­glei­chen Tun und Wol­len des Men­schen. Halt zu fin­den durch Repro­duk­ti­on der Aus­sa­ge: „Ich bin da, – auch in Zukunft, denn im Arte­fakt exis­tie­re ich weiter.“

Die­se sehr schma­le Zeit­blitz der Gegen­wart, unser Hand­lungs- und Gestal­tungs­raum, gibt den Blick frei auf ein wenig Gewe­se­nes und etwas Wer­den­des. Unser Jahr­zehnt. In dem moder­ne Arbeits- und Kon­sums­kal­ven in der Bewußt­s­eins­kon­struk­ti­on von Angst vor Nicht­ver­si­cher­ba­rem, Sor­ge um das gro­ße Gan­ze (der Him­mel fällt mir auf den Kopf),  Bedro­hung, – wovor auch immer – in ihren Bub­bles durch die Zeit trei­ben. Die neu­en Medi­en der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on errei­chen jedem Kopf, drin­gen in jedes Bewußt­sein ein. Das Schöns­te und das Schreck­lichs­te, das Klügs­te das Men­schen je ein­fiel und auch das Dümms­te, – ver­eint in gegen­sei­ti­ger Sinn­ent­lee­rung, als Pro­jek­ti­on zur Befrie­di­gung der immer hung­ri­gen Sin­ne eines müden Geis­tes. Unse­re vie­len Kul­tu­ren wur­de von der Kul­tur­in­dus­trie zer­stört, die Frag­men­te neu for­ma­tiert und ins Uner­reich­ba­re enthoben. 

Heu­te ist Kunst nur als Geschich­te oder Fik­ti­on wahr­nehm­bar.

Als Uto­pie reprä­sen­tiert Kunst das schwarz ver­häng­te „noch nicht Sei­en­de“, die „ima­gi­nä­re Wie­der­gut­ma­chung der Kata­stro­phe Welt­ge­schich­te“ (GS 7: 204). Ador­nos Satz – „In jedem genui­nen Kunst­werk erscheint etwas, was es nicht gibt“ (GS 7: 127) – ver­weist auf ein Glücks­ver­spre­chen (Stend­hals pro­mes­se du bon­heur), das als „Total­ne­ga­ti­on der gege­be­nen Wirk­lich­keit“ gele­sen wer­den kann. 

In mei­ne Bub­ble dringt das auch ein. Heu­te, an dem Tag, an dem sich Ver­gan­gen­heit und Zukunft spür­bar die Hand rei­chen, bemer­ke ich die­se Ver­än­de­rung. Der Vor­hang fiel und das Par­kett wur­de zur Büh­ne. Aus den Rezi­pi­en­ten wer­den Akteu­re ohne Dreh­buch, Text­vor­la­gen oder brauch­ba­res Skript.

DOSSIER

Alles klingt und schwingt, hör­bar und mess­bar, – manch­mal spü­ren wir es und dann ist es schön getra­gen zu wer­den; Eins zu sein mit dem Klang der Zeit. Ganz anders ist es ein Bild, eine Zeich­nung oder eine Skulp­tur zu machen, auch eine Melo­die zu kom­po­nie­ren. Das gan­ze Tun zielt dar­auf hin…