Lau­fen­de Beob­ach­tun­gen

  »LAUFENDE BEOBACHTUNGEN«  

 

Weil die bil­den­de Kunst und die Lite­ra­tur von Beob­ach­tung und Wahr­neh­mung aus­geht;
 — nicht von der Per­fek­tio­nie­rung einer Metho­de oder einer Tech­nik.

1.) Ich wun­de­re mich nicht mehr, das ich in mei­nem Haus auf dem Land sit­ze und Tex­te in ein klei­nes Büch­lein schrei­be. Das ist also der Stein­bruch aus dem alle Gedan­ken­frag­men­te kom­men, um sich dann auf spie­le­ri­sche Art und Wei­se in fein gesetz­te Text­skulp­tu­ren zu wan­deln. Gesta­pel­te Jah­re. Raum gewor­de­ne For­mu­lie­run­gen, immer Glei­ches aus einer Per­spek­ti­ve die immer neu sein möch­te.

 

2.) Die Wand, die sich mit den Fin­ger­spit­zen sanft in eine zähe Schwin­gung ver­setz­ten läßt.

 

3.) Das Schwir­ren der Stein­chen, die die Brü­der mit ihren Zwis­peln nahe an ihren Füßen auf die geteer­te Stra­ße schie­ßen. Und die abge­säg­ten Ski um mit den ange­schraub­ten Roll­schu­hen auch ska­ten zu kön­nen.

 

4.) Die Schuld,  die der verün­g­lück­te Vater zu unrecht sei­nem Sohn zuschiebt.

 

5.) Die Kas­set­te, die er fand als er das Büro­re­gal auf­räum­te. Songs, die nach Frei­bad und Moped klin­gen.  Der ers­te Kuß und die Abend­son­ne. Ein schwe­re­lo­ses Gefühl, neu, stark und unkon­trol­lier­bar, das ver­än­der­te sei­ne Welt.  

 

6.) Das Gleich­ge­wicht, das in Kraft, Geschwin­dig­keit und Atmung zusam­men­wirkt. Es läßt jeden Rad­fah­rer der schnö­den Wirk­lich­keit ent­flie­gen und sorgt für ein ein­fa­ches star­kes Erle­ben der Gegen­wart.

 

7.) Erstaun­lich, das Gelb, die Far­be der Son­ne und Blau, die Far­be des Was­sers in trans­pa­ren­ter Über­la­ge­rung Grün ergibt. Die Far­be der Pflan­zen.

 

8.) Im Par­terre gibt es ein Mus­ter am Vor­hang eines Fens­ters. Bei län­ge­rer Betrach­tung bil­den die Sechs­ecke immer wie­der das Gesicht einer Raub­kat­ze, egal wohin er den müde Blick fällt.

 

9.) Am hel­len Nach­mit­tag steht die Welt still. Ob sie sich wei­ter dreht? Der Blick aus dem Fens­ter sagt: »Alles wie immer.«

 

10.) Rum­sit­zen und Zeit ver­ge­hen las­sen. Dann sehe ich im Blu­men­strauß vor mir eine noch geschlos­se­ne Blü­te. Die Schön­heit der Erblü­ten ver­blasst beim Ver­spre­chen der Knos­pe sich zu öff­nen.

 

11.) In der Zei­tung sehe ich eine Annon­ce für das neue Buch von Pat­ti Smith. »Hin­ga­be«. Ich kann­te sie nur als Musi­ke­rin und bin sehr inter­es­siert, was ein Mega-Sym­bol der 68er heu­te schreibt. Dann fin­de ich ihren Account bei Ins­ta. Seit­dem sehe ihre Foto­gra­fi­en von Kon­zert­rei­sen durch Euro­pa und die USA. Die Fotos gefal­len mir, ich kann den Blick­win­kel gut nach­voll­zie­hen, schwarz — weiß und irgend­wie old fashion.

Antho­lo­gie