Was Sie über Kunst wis­sen woll­ten

Auf die stets aktu­el­le Fra­ge was Kunst soll und was es ist, gibt es kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Ant­wort. Nur eini­ge Sät­ze kann ich for­mu­lie­ren:

 

1.) Wer Kunst machen will benö­tigt ein Medi­um um damit zu arbei­ten. Klang, Far­be oder plas­ti­sche Mate­ria­li­en, neue Medi­en. Das aus dem Pro­zess her­vor­ge­hen­de Pro­dukt ist aber nicht Kunst. Kunst ist etwas grund­sätz­lich ande­res als Pro­duk­tio­nis­mus, etwas ande­res als ein Pro­dukt.

2.) Prei­se die auf dem Kunst­markt erzielt wer­den, Ran­kings oder öffent­li­che Auf­merk­sam­keit hat nichts zu tun mit der Qua­li­tät und der Bedeu­tung der Kunst­ar­beit. Viel­mehr wer­den hier  Markt­me­cha­nis­men wirk­sam, es sind die Prin­zi­pi­en der Nach­fra­ge und Ver­füg­bar­keit einer Ware. Ein pro­fil- und pres­ti­geori­en­tier­tes Ver­hal­ten, die Kli­schee­ver­län­ge­rung hier­zu fin­det sich in den sozia­len Medi­en.

3.) Es ist kein metho­di­sches Kunst­stück oder hand­werk­li­che Meis­ter­leis­tung, es ist in tech­ni­scher Hin­sicht immer ein­fach.

4.) Sie erfüllt kei­nen Zweck, sie will nichts. Macht sich nicht gemein mit einer poli­ti­schen Hal­tung. Kei­ne Welt­ver­bes­se­rung und kei­ne Mah­nung. Kei­ne Zustim­mung, kei­ne Unter­wer­fung. Kei­ne Ideo­lo­gie, kei­ne Reli­gi­on, kei­ne Wis­sen­schaft. Kunst illus­triert nicht. Sie ist ein bild­mäch­ti­ges Werk­zeug, die Geschich­te zeigt, das mit ihr öfter geherrscht wur­de als die Frei­heit erkämpft.

5.) Sie möch­te frei sein, muss kei­ne Gren­zen über­schrei­ten. Muss nicht gefal­len oder beein­dru­cken. Braucht kein Preis­schild. Kei­ne För­der­prei­se, kei­ne Ehrung, kein Tadel.

6.) Kunst­schaf­fen­de sol­len nicht den Kas­per machen, sol­len sich nicht vor die Kar­re span­nen las­sen, sol­len nicht die­nen. Sol­len für das,  was sie tun ver­ant­wort­lich sein und Ihre För­de­rer oder Kun­den kri­tisch sehen.

7.) Kunst ohne Kon­tex­te kann es nicht geben. Kunst machen ist ein­ge­bet­tet in die Geschich­te und in die Gegen­wart des Lebens­rau­mes und in den geis­ti­gen glo­ba­len Raum.

8.) Kunst ist so etwas wie die »dunk­le Mate­rie«. Man weiß, das es sie geben muss, — weiß aber eigent­lich nicht viel dar­über. Viel­mehr ver­sucht jede Genera­ti­on und jeder »Kul­tur­raum« den Begriff der Kunst neu zu defi­nie­ren.

9.) In der Kunst­welt der Gale­ri­en, Samm­ler, Kura­to­ren und Rezi­pi­en­ten gibt es nur die Kunst, die sie selbst bereit sind mit ein­zu­brin­gen. 

10.) Sie heilt, inspi­riert, erfreut und moti­viert es selbst zu ver­su­chen. Kunst macht frei. Ein ozea­ni­sches Gefühl.

Antho­lo­gie