Begleittext zur Ausstellung 6–9/´26

 

1.) Kul­tur­kampf

Es ist also die Werk­zeug­na­tur der Kunst die euch inter­es­siert, wenn ihr nach den Kunst­schaf­fen­den ruft sich am demo­kra­ti­schen Pro­zess zu betei­li­gen. Wenn Eide unter Fah­nen nach­ge­spro­chen wer­den, Schuld ver­erbt wer­den soll und die unsäg­li­che Lan­ge­wei­le der Über­ver­sorg­ten sich ent­lädt in der Ver­ach­tung der Ande­ren. Die dem Publi­kums­ge­ruch anheim gefal­le­nen Kunst­schaf­fen­den, fol­gen der Spur aus Brot­kru­men. Die, wel­che im Ver­bor­ge­nen ihre Kunst leben sind nicht alle resi­li­ent genug, um den Reden die Sinn­stif­tung durch Rele­vanz ver­spre­chen, zu wider­ste­hen. Und so erhebt sich die Wel­le derer, die viel Lärm machen, um sich selbst nicht mehr zu hören, in Ago­nie zum Kul­tur­kampf. Kunst ist ein bild­mäch­ti­ges Werk­zeug, – die Geschich­te zeigt, das mit ihr geherrscht wird, weni­ger die Frei­heit errungen.

2.) Ambi­gui­tät

Das sind die groß­ar­tigs­ten, mit ästhe­ti­scher Kraft bela­den und im Dunk­len gele­gen, weil nicht gemacht. Voll­kom­men kohä­rent wür­den die Fehl­stel­len der klas­si­schen Rea­li­tät in der Phy­sik genannt wer­den. In Ver­schrän­kung, in Super­po­si­ti­on und unscharf; alle Mög­lich­kei­ten zur Deko­hä­renz offen.

Der­zeit in aller Mun­de, nicht nur in der Wis­sen­schafts­welt, auch in der Kunst, – bes­ser in der Leh­re der Kunst, wird Ambi­gui­tät krea­tiv mit­ge­dacht. Ein Werk, das nicht inter­pre­tier­bar ist, son­dern ein­deu­tig in der Rezep­ti­on, wird seit der Moder­ne nicht als Arte­fakt gele­sen, son­dern als Etwas, das sei­ner Aus­sa­ge hin­ter­her­läuft. Die Plattitüde.

Die fol­gen­den For­mu­lie­run­gen kön­nen als Lock­ru­fe zum Wech­sel­wir­ken gese­hen wer­den, um vom Mul­ti­zu­stands­sys­tem in einen ein­zi­gen defi­nier­ba­ren Zustand zu wechseln.

In die­sen Sin­ne – und weil Ästhe­tik Raum im Unbe­kann­ten braucht, möch­te ich eini­ge Bil­der nicht machen:

Ohne Titel
Undi­men­sio­nal im Wohl­maß kom­po­niert, ein bischen hell, mehr dun­kel. Schär­fe nur an der Tex­tur­kan­te, die auch den Licht­spalt, als Fens­ter aus dem Bild in eine Super­po­si­ti­on ahnen lie­ße. Quer, 2:3, sw, Korn statt Pixel.

Por­trait
Vol­ler Ruhe und Aus­ge­gli­chen­heit hal­ten Form und Licht die Balan­ce. Die Ober­flä­chen weich und in der Dar­stel­lung der Augen kon­trast­reich. Weder ver­in­ner­licht noch expres­siv, ein vis-à-vis mit einem Unbe­kann­tem. Kei­ne Attri­bu­te, kei­ne Klei­dung, kei­ne Haa­re. Kein Geschlecht, kein Alter. Ungeboren.