Von der konkreten Kunst zur autonomen Kunst
Prägend, die konkrete Kunst, entwickelt zur autonomen Kunst, die sowohl wie konkrete Werke weder abbildende noch zitierende oder assoziative Qualitäten aufweist und darüber hinaus sich aus Kontexten des Marktes und der Rezension löst und so zu einer autonomen Form der Kunstarbeit führt, die weder Publikum noch Relevanz mitdenkt.
Auf einem Auge blind
Zum Thema gibt es zahlreiche Beiträge aus allen Epochen, von der Antike bis in die Gegenwart ist der Begriff der Kunst, was gute Kunst sei und der Begriff der Ästhetik ein schillerndes Thema.
Die Betrachtung der Kunst ist hier die Ausgangslage für philosophische Ausführungen; spürbar immer der Versuch, sich dem zu nähern, was Kunst sei, wie deren Substanz zu beschreiben sei. Über Wittgenstein, Adorno, Fiedler, Goodman, Imdahl und Danto sind Beobachtungen und Kontextualisierungen nachvollziehbar, die sich, mehr oder weniger in Prozessen der Begriffsklärung und Systembeschreibung erschöpfen und bis heute keine Theorien aus der Perspektive der Kunstschaffenden beinhalten. Das kann nur zu einem Teil – Bild führen, denn ohne die Innenansicht der Kunstschaffenden bleibt das Thema Kunstphilosophie und Ästhetik eine Projektionsfläche für die Fakultäten des Betrachtens und Philosophierens.
Der Natur des Menschsein ist es geschuldet, dass Kunstschaffende sich vornehmlich mit individuellen Prozessen und den Konditionen für die Kreation befassen, weniger mit der allgemeinen Betrachtung populärer Artefakte.
Das Unvermeidbare ist der Kunstmarkt, als Repräsentant der Verwertung, mit dem es sich zu befassen gilt, sofern mit einer ökonomischen Ausweitung ein Umgang gefunden wird. Das existenziell Notwendige steht in vielen solcher Strategien vor der Auslotung der Kunst, bzw. verquickt sich auf unglückliche Weise miteinander und führt, neben weiteren Faktoren, zur gegenwärtigen Situation. Das System Kunst wird deshalb von jeder Epoche erneut zu Grabe getragen, – keine Erbauung, keine Kontemplation ist heute erwartbar, – wohlwissend, das es eine der berechtigten Erwartungen war. Kunst degeneriert in diesen Kontexten und wird bis auf exklusive Ausnahmen ein Produkt des Kulturkonsums.
Bleiben Kunstkonzepte von derartigen Entkernungen verschont, treten Begriffe wie Selbstermächtigung, Erkenntnisdrang, das Stochern im Nebel des Begriffslosen, und auch die exploratorische Selbstentzündung, in Erscheinung. Wobei Sinnstiftung und Orientierung, einst Domänen des Geistlichen, zu den bedeutenden neuen Qualitäten bei der Ausübung kunstaffiner Lebenskonzepte gehören.
Der Begriff der Kunst wird also nur belastbar, sobald eine Theorie aufgerichtet ist, die gleichermaßen die Kreation erforscht, diese als vorgelagert behandelt und die Ablösung von Kunstschaffenden und Werk als Lapsus erkennt. Sonst, – ebenso und ebenso sinnvoll ließe sich über beliebige Objekte und Begriffe eine akademische Selbstbespiegelung entfalten.
Weiter aus der Perspektive der Kreation: Die Verflechtung von Kunstarbeit und Berufständigkeit und damit verbunden die wirtschaftliche Orientierung trennen aussichtsreiche von unprofitablen Vorhaben ab. Sobald dabei kein Imagegewinn erwartbar ist, keine Öffentlichkeit generiert, oder keine andere Art von Vorteilsnahme durch Einbettungen in Aussicht steht, gehen diese Werke verloren. Nicht gemachte Werke sind magisch, noch unklar und gestaltlos und deshalb ästhetisch stark aufgeladen. Stände es klar umrissen zur allseitigen Betrachtung bereit, reflektierte das Artefakt bestenfalls das ästhetische Set Betrachtender.
Das Schöne braucht den Raum im Unbekannten
Die Erwartung an Ästhetik wirkt also durch die sprachlich nicht zu fassenden und somit abgetrennten Medien hindurch, wie durch das Unvisualisierte und das Nichtexistente. Die Wahrnehmung Kunstschaffender, die das (Nicht)Sein mit dem (Nicht)Tun manifestieren, steht somit in einer Symmetrie zur Erwartung der Betrachter des Artefakt. Schließt sich die Frage an, ob Symmetrie nicht ein Hinweis auf zwei ähnliche oder gleiche Bereiche ist, die von unterschiedlichen Akteuren bespielt werden und von gegenseitigen Erwartungen in vorauseilendem Gehorsam vorbestimmt werden? Die Kodierung, wenn es so genannt werden kann, die Kunstwerke in ihrer Prägephase annehmen können, ist nicht universell, sondern erst durch Kontextualisierung lesbar. Kulturraum und Zeitraum entscheiden über die „Lesbarkeit” der Artefakte.
Durch die Vernetzung der Kontexte entsteht strukturell der geistige Raum, den sich Kreation und Rezeption teilen. Polarisierung und Überinterpretation, Unwissenheit und Berührungsängste, Geniekult und Freakimage, akademischer Dünkel und die allgemeine Orientierungslosigkeit in Philosophie und Kunst eingebunden in eine überökonomisierte Medienlandschaft und gesellschaftliche Problemlagen stehen einer Erneuerung der Narrative noch im Wege. Solange sich Kunstschaffende nicht aus Förderprogrammen und Marktabhängigkeiten bei der Ausübung ihrer Kunstarbeit lösen können, – nur den Wenigsten ist diese Autonomie möglich, solange kann keine grundlagenorientierte Auslotung von dem was Kunst-Arbeit noch sein kann stattfinden. Hierzu sind Vergleiche zur Lage der Wissenschaften offensichtlich.