Es ist nicht nur von Bedeutung was auf der Photographie zu sehen ist, weit aus wichtiger ist, mit welcher Intention Bilder gemacht werden. Als Bildhauer habe ich die Konzepte aus der inneren Mitte heraus entwickelt, die sichtbare Welt und die Themen der Zeit sind da nicht eingeflossen. Die Skulpturen sind wirklich autonom, stehen für sich. Erst mit der neueren Entwicklung entstehen durch die Beschäftigung mit der Photographie, die ihres Wesens ein abbildendes Medium ist, Bezüge zu meiner Lebenswirklichkeit; die Landschaft, die Schönheit in der Natur, die Wolken und Alles was vor die Linse kommt. Es bleibt aber die Notwendigkeit zur Einhegung des Schaffensprozess, – durch Konzepte wie „Die Leere sehen“, nicht abbildende Bilder, graphische Verfremdungen, oder dem ausschließlichen Fokus auf den Bildraum – , es ist der Versuch zur visuellen Wirklichkeit Distanz zu wahren und die Ungleichheit von Bild und Abgebildetem deutlich zu machen.
Wie bei allen Medien ist auch in der Photographie nicht das Medium ein Kriterium für die Qualität einer Kunstarbeit, ob es Kunst oder etwas anderes sei, sondern das, was als Feld des Interesses eingehegt ist. Zur Gegenwart passend sind großartige, laute visuell aufgeblasene Bilder, die in den digitalen Kontexten eines fiktiven Publikum das größte Interesse versprechen. Dieses Interesse soll durch surreal technische Ausreizung und durch permanente Steigerung geweckt werden. Wie Voyeurismus bedient wird, Natur und Architektur ins Phantastische überzeichnet wird, ebenso parasitieren Kunstschaffende an der Prominenz und den Aufregerthemen um Relevanz vorzugaukeln.
Kunstarbeit kann mit der medialen Sichbarwerdung Fragen stellen nach Abbildbarkeit, nach dem Wesen des Bildes und die Beziehung zur visuellen Wirklichkeit untersuchen. Ein Bild ist kein Bild der Wirklichkeit, es ist ein Bild von sich selbst, bildet nicht ab, ist autonom als Fläche, als Komposition, als Struktur, als Grauwert und Farbe und als Bedeutungsträger. Mehr ein Selbstbildnis der Autoren als ein Bild der Welt. Als genuines Kunstwerk wird es über seine Provenience erschlossen und erhält durch die Autorenschaft und seine Präsentation eine zugeschriebene Kontextualisierung. Kriterien? Die Entwicklung und Anwendung des Medium, ästhetische Ausprägung und Ambiguität der Arbeit, ebenso die Referenz zur Kunst(Geschichte), zur Medien(Geschichte) und Aspekten der Philosophie sind als Kriterien für die Identifizierung als Kunst brauchbar. Besonders durch die Titel zur Arbeit und begleitende Texte wird Bedeutung gelenkt, das visuell Ähnliche in der Kunst differenziert wahrnehmbar. Das Bild selbst ist nicht wichtig, es kommt darauf an, was es bedeuten kann.